ENCORE ET TOUJOURS LA SUISSE!

A l’occasion de la célébration du 1er août 2010

Curatrice: Ruth Schweikert

A l’occasion du 1er août prochain, les artistes ont décidé de donner de la voix – leur voix, diverse et multiple – sur la Suisse d’aujourd’hui. Les artistes sont en effet préoccupés par la situation de la Suisse sur le plan national et international, par le fossé entre la perception que le pays a de lui-même et sa véritable situation dans le monde.


-> Revue de presse à propos de cette action
 


Peter Weber


Bock Balz (links) |  Der Autor hilft mit, ein Kamerun-Lamm auszuschafen, umstellt von ostfriesischen Milchschafen, die eben ihre Wolle hergegeben haben (rechts)

Zur Ausschafungsinitiative
Schaf wird im Initiativtext mit zwei F geschrieben. Die Tiere jedoch sind auf allen Werbeflächen sehr plakativ dargestellt und eindeutig als Schafe zu erkennen. Die starke Bildbotschaft hilft über das mangelhafte Deutsch hinweg: Man kann sich ein Bild machen.
Ich bin den Schafsplakaten wiederholt begegnet und musste erkennen, dass mich die Ausschafungsinitiative betrifft. Sie bringt traumatische Erlebnisse meiner Kindheit an den Tag. Denn ich wurde ausgeschaft. Und ich war an Ausschafungen beteiligt.

Meine Eltern hielten Kamerunschafe, schöne, braunschwarze Tiere. Der Bock hiess Balz, lebte mit mehreren Damen im Grünen und verbreitete Paradiesgeruch: Er böckelte. Balz liess sich gerne streicheln, zwischen den Hörnern aber, wusste ich, durfte man ihn nicht berühren. Sichelförmige Hörner eines Fabeltiers, Füllhörnern ähnlich, auf dem Rücken hatte er fettiges Wollhaar, das an kargere Zeiten seiner Vorfahren erinnerte. Eines Tages böckelte der Bock stärker und versuchte, seine Damen halbseitig zu erklettern. Ich wollte ihm dabei helfen, Balz aber war verfinstert, er senkte den Kopf und schafte mich mit seinen Hörnern in die Ecke. Mein Vater, der meine Schreie gehört hatte, eilte herbei, holte mich aus dem Gehege und erklärte mir, dass man sich den Tieren nicht mehr nähern dürfe, sobald der Bock stärker böckele. Balz blieb leider unberechenbar für Kinder, und so mussten die Kamerunschafe nach und nach durch ostfriesische Milchschafe ersetzt werden: Weisse, herdenhörige Tiere, sie befleissigten sich, Milch, Wolle und Fleisch zu geben und duldeten keine Zierschafe neben sich. Wir schaften die Kamerunschafe mit allen Lämmern in den Zoo. Die frommen Milchschafe waren meinem Vater auf die Dauer zu langweilig, deshalb spielte er mit dem Gedanken, sie mit schwarzbraunen Bergschafen einzukreuzen. Bock Balz hatte die Zeichen offenbar richtig gedeutet und in den Nächten vor seiner Ausschafung die Damen seriell erklettert. Im Frühling warfen sie hellbraune Lämmer. Diese Mischtiere erfreuten den Erschafer sehr.






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